Die auf diesen Seiten vorgestellte
Karate-Stilrichtung
trägt die Bezeichnung
Shotokan. Der Begriff
Shotokan setzt sich
aus drei japanischen Zeichen zusammen. Diese sind
Sho (Pinie, Kiefer),
To (Welle, Woge) und
Kan (Großes Gebäude, Halle). Die ersten beiden
Symbole bilden zusammen den Begriff
Shoto, der auch den Künstlername
Gichin
Funakoshis darstellte. Die hierfür zu findenden Übersetzungen werden meist
mit ”Rauschen in den Kiefern” bzw. ”Pinienrauschen” angegeben.
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Sho (matsu) - Kiefer, Pinie |
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To - Welle, Woge |
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Kan - Großes Gebäude/Halle |
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Die Pinie ist eine Kiefernart auf Okinawa mit einem starken
Wurzelwerk. Das deutet darauf hin, daß Gichin Funakoshi die Fähigkeit zu einen
sehr starken Stand besaß (erdverwachsen war). Die Welle wird im japanischen eigentlich
mit
nami bezeichnet. Die hier angesprochene Welle ist dagegen weitaus mehr.
Es ist die große Welle, die nach einem Seebeben kommt und alles mit
einer einzigen Bewegung zerstören kann. Sie steht hier für die Härte und Zerstörungsenergie
der Technik. In einem Gespräch erklärte Kase Sensei: ”Funakoshi Gichin wurde von
seinen Schülern
Shoto genannt. Es sollte ein Ausdruck der Bewunderung für
seine Art von Karate-Do sein.
Shoto ist also nicht das sanfte Pinienrauschen,
es ist die Bewunderung für die alles zerstörende Technik aus einem guten Stand
heraus.”
Die Kampfkunst
Karate-Do
wird im Allgemeinen meist nur mit Karate bezeichnet. Man trifft selten Situationen
im Alltag an, in denen über das Karate-
Do gesprochen wird. Warum wird das
Wort
Do
so selten mit ausgesprochen? In anderen Kampfkünsten, wie z.B. dem Judo, dem Aikido
oder dem Taekwon-Do wird es doch auch mit betont.
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Do - Weg |
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Wahrscheinlich ist das Wort Karate-Do einfach zu lang, d.h.
es besteht aus zu vielen Silben. Mit dem einzelnen Wort Karate wird wohl scheinbar
deutlich, über welche Kampfkunst gesprochen wird. Doch ist es wirklich so? Können
wir das
Do einfach so aus dem Wort Karate-Do und damit aus dieser Kampfkunst
verbannen?
Die gängigste Übersetzung des Wortes
Do ist ”Weg”. Doch
dieses Wort gibt in Wahrheit nur eine sehr schwache Vorstellung von dem wieder,
was
Do eigentlich ist. Denn mit einem Wort läßt sich nicht
eines der Hauptaspekte, wenn nicht sogar der Hauptaspekt dieser Kampfkunst erklären.
Do ist nicht nur ein ”Weg”, sondern es ist alles, was diesen ”Weg” in seiner
Gesamtheit ausmacht.
Betrachtet man Karate-Do ohne das
Do, so stellt dieses
erst einmal eine Kunst der Selbstverteidigung dar. Eine Kunst, die bis ins kleinste
genau festgelegte Formen enthält. Jeder, der diese Kampfkunst übt, kennt dieses
aus dem Training. Es wird versucht jede Technik, egal ob im
Kihon,
in der
Kata
oder auch im
Kumite,
so präzise wie nur möglich zu trainieren bzw. auszuführen. Karate wird also damit
zu etwas Festgelegtem, etwas Starrem, und ohne das
Do für jeden einfach
und sehr leicht zu erlernen. Sehr leicht deshalb, weil jede Technik in einzelne
Sequenzen aufgesplittet werden kann, und (z.B. aus einem Buch abgelesen) aneinander
gereiht für jeden wieder eine klare festgelegte Form widerspiegelt.
Auch das
Jiyu-Kumite,
das scheinbar vollkommen von Flexibilität beherrscht wird, ist in erster Linie
ohne das
Do nichts weiter als eine festgelegte Form: Zwei
Karateka
stehen sich gegenüber, wobei jeder bemüht ist nicht getroffen zu werden, aber
selber versucht eine seiner (fest eintrainierten) Techniken anzuwenden. So könnte
eine einfache Definition lauten, und mehr ist es im Prinzip erst einmal gar nicht.
Warum Karate, oder richtiger Karate-Do, in Wirklichkeit doch
mehr ist als nur eine starre Form, eine einfach zu erlernende ”Abspulreihenfolge”
von festgelegten Sequenzen, das versucht dieses kleine, fast unscheinbare Wort
Do wiederzugeben.
Do stellt einmal die Veränderung, das Anpassungsfähige,
die Variation und damit das Lebendige dar. Betrachtet man vergleichsweise die
Natur, so sieht man, das in ihr nichts Lebendiges existiert, das auch gleichzeitig
starr ist. Alles ist flexibel und anpassungsfähig, sonst könnte es nicht in dieser
Vielfalt der Ereignisse überleben.
Karate-Do ist beispielsweise vergleichbar mit einem Baum, der
für sich alleine betrachtet nur ein festgelegtes, komplexes Geäst (Kata) aus festgelegten,
verschiedenen Elementen (Kumiteformen) und Atomen (Kihon) darstellt, und erst
in seiner Gesamtheit in der Natur (Anwendung im Dojo und im Leben) zu einem flexiblen,
überlebensfähigen Objekt wird.
Eine Technik so auszuführen, wie sie vergleichbar in einem Buch
steht, ist relativ einfach. Sie aber so auszuführen, das sie anwendbar, nutzbringend
und auch in entsprechenden Situationen ihr Ziel mit der ihr gedachten Intention
trifft, ist eine Sache, die viel Zeit erfordert. Vielfaches Wiederholen, korrigieren,
ausprobieren und an sich arbeiten ist notwendig und hiermit beginnt nun der
Weg
- das eigentliche
Do.
Das
Do ist weiterhin ein Kampfbegleiter, wobei der Kampf
nicht zwischen zwei Personen, sondern nur im inneren des Einzelnen ausgefochten
wird. Entscheidend ist nicht das Ziel, also die perfekte Ausführung der Technik,
sondern die Geduld, das Bemühen sich einer Aufgabe zu stellen und an ihr zu arbeiten.
Selbst dann an ihr zu arbeiten, wenn aus welchen Gründen auch immer, das Ziel
unerreichbar scheint oder sogar ist.
Das
Do stellt uns, wie auch das Leben selber, ständig
vor Hindernisse, die es zu überwinden gilt. In Verbindung mit dem Karate entsteht
das Karate-Do, das eine Herausforderung darstellt, die man erst annehmen
muß, damit man es meistern kann. Das Fortschreiten und Reifen ist sehr wichtig
im Karate-Do sowie im Leben selbst. Es ist notwendig um zu leben und um zu überleben.
Viele Dinge des Alltags wünscht man sich als etwas ”greifbares”,
also feststehendes, die das Gefühl der Sicherheit vermitteln sollen. Durch die
Komplexität des Lebens entstehen aber immer wieder Veränderlichkeiten, und diese
rütteln an unserer Vorstellung vom klar strukturierten Leben. Der Mensch und vielmehr
noch der Karateka sollte sich ständig dessen bewußt sein, das er in seinem Leben
und damit auf seinem Weg des Karate-Do immer anpassungsfähig und flexibel bleiben
muß. Nur so kann er die Hürden des
Do und des Lebens meistern. Eine chinesische
Weisheit stellt den Aspekt der Flexibilität in interessanter Weise dar:
”Fürchte Dich nicht vor dem Langsamgehen, aber hüte Dich vor dem Stehenbleiben.”
Vielleicht wird nun klar, warum anfangs davon gesprochen wurde,
das Karate (ohne das
Do) selbst leicht zu erlernen sei. Denn es sind nicht
die Techniken selber, die das Problem darstellen. Es sind vielmehr unsere eigenen
Grenzen (körperlich, geistig und seelisch), die es uns so schwer machen, uns auf
einfache Weise weiter zu entwickeln. Erst das ständige Bekämpfen dieser vielen
kleinen und großen Hindernisse führt uns auf den Weg des Karate-Do.
Deshalb sollte in Zukunft, wenn über das Karate gesprochen wird,
nicht das
Do vergessen werden, denn es gehört nicht nur dazu, sondern es
ist das Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Dingen, die nur etwas starres,
festgelegtes und nichts lebensbezogenes darstellen. Das Starre lebt nicht mehr
und vergeht mit der Zeit, das Flexible aber ist in der Lage sich der neuen Situation
zu stellen und sie zu meistern.
Der Begriff
Dojo
bezeichnet heute in erster Linie einen Trainingsraum, in dem eine Kampfkunst trainiert
wird, wobei dieser Raum meist eine einfache Trainingshalle darstellt. In einigen
Fällen schmücken ein oder mehrere Bilder von großen Meistern die Wände, jedoch
ist auch dieses nicht vergleichbar mit einem Dojo, so wie es in der Vergangenheit
existierte.
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Dojo - Ort der Erleuchtung |
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Der Grund hierfür ist wohl meist ein kommerzieller, d.h. viele
Kampfkunstschulen, und das sind heute die Vereine, sind auf öffentliche Gebäude
angewiesen, die nicht so ohne weiteres nach den eigenen Vorstellungen umgebaut
werden können. Nur in wenigen Fällen sind heute noch Dojos zu finden, deren Äußerlichkeiten
der Raumgestaltung schon auf einen besonderen Ort hinweisen. Doch wie sieht ein
”richtiges”, also klassisches Dojo aus? Gibt es eigentlich eine festgelegte Form
für diesen Ort der Erleuchtung, so wie er im Zen-Buddhismus genannt wird?
Von der Überlieferung wissen wir zumindest, das die Raumaufteilung
sich nach ganz speziellen Regeln darstellte. Auf der linken Seite des Raumes,
betrachtet von der Eingangsseite, nahmen die Schüler zum Angrüßen platz. Diese
Seite war also für alle
Kyu-Grade
gedacht. Gegenüber befanden sich, so wie heute auch üblich, die
Sensei, deren Aufgabe es war, das Training zu leiten. Die Eingangsseite selber
war der Ort für die
Dan-Grade,
die aktiv dem Unterricht beiwohnten. Und schließlich gibt es noch die Seite, die
dem Eingang gegenüber liegt. Dort war in früheren Zeiten ein kleiner Schrein oder
ein Altar für eine Gottheit. An dieser Seite nahmen nur ganz besondere Ehrengäste,
wie z.B. große Meister, platz.
Bedenkt man, das früher die Dojos in Tempeln und Klöstern zu
finden waren, in denen auch vielfach meditiert wurde, so kann man sich sehr leicht
vorstellen, das die Atmosphäre damals eine ganz andere war, als heute in einem
unserer ”normalen” Dojos.
Doch man sollte nicht meinen, das das heutige Dojo ein schlechteres
gegenüber dem traditionellen sei. Denn so wie alles in der Natur ständig eine
Wandlung durchlebt, so muß auch das
Karate-Do
in all seiner Vielfalt, und dazu gehört auch das Dojo, sich ständig weiterentwickeln,
um sich jeder neuen Situation flexibel anpassen zu können.
Viel entscheidender aber als die Äußerlichkeiten ist die Etikette,
die in einem Dojo herrscht. Deshalb sollte in der heutigen Zeit auch weiterhin
versucht werden, das freundliche Miteinander an dem Ort der Erleuchtung zu erhalten.
Denkt man über den Zweck eines Dojos nach, so stellt man fest,
daß im Endeffekt jeder Ort ein Dojo sein kann. Es muß weder an einem besonderen
Platz noch ein geschlossener Raum sein. Denn das besondere ist nicht das Dojo
selbst, sondern der Zweck der Zusammenkunft - das Erlernen einer Kampfkunst zur
Vervollkommnung des eigenen Charakters.